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Zu wenige Dolmetscher für Gebärdensprache: Handlungsbedarf in Österreich

Zu wenige Dolmetscher für Gebärdensprache: Handlungsbedarf in Österreich

In Niederösterreich leben rund 1.500 gehörlose Menschen, für die Dolmetscher für die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) im Alltag oft unverzichtbar sind – ähnlich wie vereidigte Dolmetscher und beeidigte Dolmetscher für beglaubigte Übersetzungen bei Behörden, Ämtern oder der Ausländerbehörde. Bundesweit gibt es derzeit jedoch nur etwa 150 Gebärdensprachdolmetscher, während auch der Bedarf an Fachübersetzern, Gerichtsdolmetschern und medizinischen Dolmetschern stetig wächst. Der Gehörlosenverband NÖ sieht dringenden Handlungsbedarf, für den eine engere Zusammenarbeit mit Dolmetscheragenturen und Übersetzungsdiensten sinnvoll wäre.

Workshops zum Internationalen Tag der Gebärdensprache

Anlässlich des Internationalen Tages der Gebärdensprache am 23. September hat der Gehörlosenverband Niederösterreich im Kinderkunstlabor St. Pölten Workshops für Schulklassen organisiert, um Kindern den Alltag gehörloser Menschen näherzubringen. „Die österreichische Gebärdensprache ist eine Minderheitensprache – viele wissen gar nicht, was sie eigentlich ist“, erklärt Lukas Huber, Verbandsleiter des Gehörlosenverbands Niederösterreich. Seit 2005 ist die Gebärdensprache zwar in der Bundesverfassung anerkannt, die entsprechenden Gesetze fehlten jedoch bislang.

Mehr Budget für Dolmetschleistungen gefordert

Das Land Niederösterreich stellt gehörlosen Menschen ab 15 Jahren ein jährliches Budget von maximal 2.848 Euro für Dolmetschleistungen zur Verfügung. Damit lassen sich unter anderem Arztbesuche, Behördentermine und familiäre Anlässe mit Sprachmittlung begleiten. Für Kinder unter 15 Jahren fordert der Verband bessere Lösungen, da Eltern die Kosten derzeit meist selbst tragen müssen.

Fachkräftemangel bei Gebärdensprachdolmetschern

In ganz Österreich leben rund 10.000 gehörlose Menschen – ihnen stehen nur rund 150 ausgebildete Gebärdensprach dolmetscher gegenüber. Besonders kritisch zeigt sich der Mangel bei Gerichtsdolmetschern: Für Gerichtsverhandlungen wird oft nur ein einzelner Dolmetscher bereitgestellt, obwohl bei längeren Verhandlungen ein zweiter notwendig wäre.

Warum qualifizierte Sprachmittlung überall gebraucht wird

Der Engpass bei Gebärdensprachdolmetschern zeigt exemplarisch, wie wichtig gut ausgebildete Dolmetscher und Fachübersetzer in sensiblen Lebensbereichen sind. Ähnlich hoch ist der Bedarf bei medizinischen Dolmetschern in Krankenhäusern, bei beglaubigten Übersetzungen für Behörden, Ämter oder das Jobcenter sowie bei vereidigten Dolmetschern für Aufenthaltstitel, Vollmachten oder Urkunden. Auch Justizdolmetscher und Business-Dolmetscher für Verhandlungen und Konferenzen sind gefragt – vermittelt häufig über eine spezialisierte Dolmetscheragentur, die je nach Bedarf passende Fachkräfte für unterschiedlichste Sprachen und Einsatzgebiete bereitstellt.

Quelle: https://noe.orf.at/stories/3372365/

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