Übersetzungen
Kommentar: Warum geschulte Dolmetscher und Fachübersetzer in Krankenhaus, Gericht und Behörden trotz DeepLs Live-Übersetzung unverzichtbar bleibe

DeepL wirbt mit einer neuen „Voice-to-Voice“-Technologie, die Gespräche in Echtzeit übersetzen soll – nach eigenen Angaben in besserer Qualität als die Konkurrenz. Für Small Talk im Urlaub oder spontane Alltagssituationen mag das beeindruckend klingen. Wer daraus jedoch ableitet, dass professionelle Dolmetscher in Krankenhäusern oder Behörden bald überflüssig werden, verkennt, worum es bei diesen Einsätzen tatsächlich geht.
Verantwortung lässt sich nicht outsourcen
Eine KI übersetzt Wörter – sie übernimmt aber keine Verantwortung. Wenn bei einer Diagnoseaufklärung im Krankenhaus ein Begriff falsch interpretiert wird, wenn Nuancen bei Symptomen verloren gehen oder eine App bei einer Einwilligungserklärung ungenau formuliert, drohen ernsthafte gesundheitliche und rechtliche Folgen. Medizinische Dolmetscher kennen nicht nur Fachterminologie, sondern auch kulturelle Zusammenhänge, Körpersprache und die Fähigkeit, in Krisensituationen ruhig und einfühlsam zu vermitteln – etwas, das reine Spracherkennung nicht leisten kann.
Rechtssicherheit statt automatisierter Bestapproximation
Bei Behördengängen zählt nicht die "beinahe natürliche" Verständigung, sondern rechtlich belastbare Genauigkeit. Für beglaubigte Übersetzungen, die Ausländerbehörde, Jobcenter oder andere Ämter anerkennen, braucht es einen vereidigten Dolmetscher, der für die Richtigkeit seiner Übertragung persönlich haftet. Dasselbe gilt für einen Gerichtsdolmetscher: Bei Vernehmungen, Anhörungen oder Vertragsunterzeichnungen kann ein Übersetzungsfehler über Aufenthaltsstatus, Schuldfragen oder finanzielle Verpflichtungen entscheiden. Eine Software liefert hier bestenfalls eine Annäherung – keine rechtssichere Verdolmetschung.
Datenschutz und Vertraulichkeit
Sensible Gespräche in Kliniken oder bei Behörden erfordern Vertraulichkeit, die durch cloudbasierte KI-Dienste nicht immer garantiert ist. Menschliche Dolmetscher unterliegen klaren Schweigepflichten und ethischen Standards – ein Vertrauensverhältnis, das eine App allein nicht aufbauen kann.
Fazit
Technologien wie die von DeepL sind eine sinnvolle Ergänzung für den Alltag, aber kein Ersatz für ausgebildete Fachkräfte. Genau deshalb bleiben Investitionen in geschulte Dolmetscher und Fachübersetzer – ob im Krankenhaus, vor Gericht oder bei Behördenterminen – unverzichtbar. Qualität, Verantwortung und Rechtssicherheit lassen sich nicht an einen Algorithmus delegieren.
